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4.2 Weiterentwicklung des Instrumentariums der Energieeffizienzpolitik

Abschnitt

4.2 Weiterentwicklung des Instrumentariums der Energieeffizienzpolitik

These 4: Das bisherige Instrumentarium der Energieeffizienzpolitik hat Steigerungen der Energieeffizienz ermöglicht, muss jedoch zur Erreichung der langfristigen Zielsetzungen weiterentwickelt und ergänzt werden.


Das Energiekonzept setzt mit der Halbierung des Primärenergieverbrauchs bis 2050 eine zentrales und ambitioniertes Ziel. Die Erreichung dieses Ziels ist zugleich eine grundlegende Erfolgsbedingung der Energiewende insgesamt. Zudem lassen sich bei einem deutlich geringeren Verbrauchsniveau die Herausforderungen bei der Systemintegration und Bezahlbarkeit der erneuerbaren Energien leichter bewältigen.


Der Instrumentenkanon der Energieeffizienzpolitik

Information & Beratung: Zu dieser Instrumenten-Kategorie gehört neben der Bereitstellung von Informationen durch die öffentliche Hand auch die Förderung von Beratungsangeboten, z.B. der Vor-Ort-Beratung. In 2016 wird die Bundesregierung eine umfassende Kommunikationsstrategie umsetzen. Weiterhin wird es darauf ankommen, unterschiedliche Beratungsangebote, insbesondere Materialeffizienz- und Energieeffizienzberatungen, besser miteinander zu verknüpfen.

Finanzielle Förderung: Zum klassischen Förderinstrumentarium gehören insbesondere direkte Zuschüsse und zinsverbilligte Kredite in Verbindung mit Tilgungszuschüssen (etwa im Rahmen des CO2-Gebäudesanierungsprogramms) für Investitionen.

Ordnungsrecht: Ordnungsrechtliche Vorschriften auf nationaler oder EU-rechtlicher Grundlage beinhalten Ver- und Gebote, technische Standards sowie verpflichtende Produktkennzeichnungen. Beispiele sind die Vorgaben der EU-Gebäuderichtlinie und der EU-Ökodesignrichtlinie sowie national im Energiesparrecht festgelegte Energieeffizienzstandards für Gebäude. Wichtige Voraussetzung für die Effektivität ordnungsrechtlicher Instrumente ist die Sicherstellung ihres Vollzugs.

Preissteuerung: Preissteuernde Instrumente sind z.B. Energie-Abgaben und -Steuern sowie bestimmte Mautmodelle.

Mengensteuerung: Eine Mengensteuerung des Energieverbrauchs oder der Emissionen basiert auf Quoten oder Zertifikaten. Sie ist häufig mit einer Handelskomponente verbunden, wodurch die marktanreizende Wirkung gestärkt wird. Beispiele sind der EU-Emissionshandel oder die in vielen EU-Ländern bestehenden Energieeffizienz-Verpflichtungssysteme.

Forschung & Entwicklung: Eine breit angelegte und gut vernetzte Energieforschung ist wichtige Voraussetzung, um energieeffiziente Technologien zu erproben und an den Markt heranzuführen.

Die deutsche Energieeffizienzpolitik beruht auf einem breiten Instrumentenmix gemäß den Prinzipien Informieren, Fördern und Fordern. Mit dem NAPE hat die Bundesregierung zahlreiche zusätzliche Maßnahmen eingeführt. Gerade in den letzten Jahren ist das energieeffizienzpolitische Portfolio spürbar ausgeweitet worden. Im Ergebnis werden eine Vielzahl von Akteuren und Sektoren adressiert, „weiße Flecken“ an vielen Stellen dadurch kleiner. Auch der Blick auf andere Politikbereiche ist unabdingbar. So kann z.B. eine Effizienzerhöhung bei der stofflichen Nutzung von Rohstoffen auch Auswirkungen auf den Energieverbrauch haben. Entsprechend hat sich die Bundesregierung im 2016 fortgeschriebenen nationalen Ressourceneffizienzprogramm – ProgRess II - das Ziel gesetzt, Material- und Energieeffizienz stärker zu verlinken, um Synergien zu nutzen und Zielkonflikte zu identifizieren und – wo möglich – zu beheben.

 

Allerdings stellt sich mit Blick auf die künftige, langfristige Entwicklung des Energieverbrauchs die Herausforderung, wie das bisherige Instrumentarium weiterentwickelt werden kann (vgl. Kapitel 3). Auch wenn bestehende Maßnahmen weiterhin Wirkungen in Richtung Verbrauchseinsparungen entfalten werden, muss eine Weiterentwicklung und Ergänzung des Instrumentariums erfolgen. Darüber hinaus steht die Energieeffizienzpolitik vor teils bekannten, aber auch neuen Herausforderungen, die im Folgenden umrissen werden.


Spezifische versus absolute Energieverbrauchssenkungen

Während das Energiekonzept mit der Halbierung des Primärenergieverbrauchs bis 2050 eine absolute Zielvorgabe vorgibt, ist das Instrumentarium der Energieeffizienzpolitik in Deutschland vornehmlich auf spezifische Energieeinsparungen ausgerichtet (z.B. je gefahrenem Kilometer oder zu heizendem Quadratmeter). Wirtschafts- und Einkommenswachstum ermöglichen nicht nur Investitionen in Energieeffizienz sondern führen häufig gleichzeitig zu einer steigenden Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen, die mit Energieverbrauch in Produktion, Bereitstellung und Nutzung verbunden sind. Im Ergebnis kann die absolute hinter der spezifischen Energieverbrauchssenkung zurückbleiben.

Ein Teilaspekt dieses Spannungsfelds sind sogenannte Rebound-Effekte, die zur Minderung von Energieeinsparungen im Zuge von Energieeffizienzmaßnahmen führen (siehe Kasten). Prominente Beispiele für Rebound-Effekte finden sich etwa im Strom-, Gebäude- und Verkehrsbereich: So lädt beispielsweise eine energieeffizientere Beleuchtung zur häufigeren Nutzung ein, während energetisch sanierte Gebäude höhere Innenraumtemperaturen erschwinglich machen, sodass die Nachfrage nach Raumwärme steigt. 
Sofern Verhaltensänderungen, die nach Effizienzmaßnahmen zu mehr Energieverbrauch führen, vermieden oder reduziert werden können, lassen sich deutlich höhere absolute Energieeinsparungen erzielen. Bisherige Instrumente der Energieeffizienzpolitik, die typischerweise auf spezifische Effizienzsteigerungen abzielen, leisten dies nur begrenzt. Ihre Weiterentwicklung sollte daher auch unter dem Gesichtspunkt der Verringerung möglicher Rebound-Effekte erfolgen.


Rebound-Effekte: Definition, Ausmaß, Lösungsansätze

Ein Rebound-Effekt im Zusammenhang mit der Energieeffizienzsteigerung liegt vor, wenn die Effizienzsteigerung eine vermehrte Nachfrage bzw. Nutzung bewirkt und dadurch die tatsächliche Einsparung gemindert wird. Aus ökonomischer Sicht lässt er sich dadurch erklären, dass die Nutzungskosten für Produkte sinken. Aber auch psychologische und regulatorische Faktoren, die das individuelle Verhalten beeinflussen, können dazu führen, dass die erwarteten Effizienzpotenziale nicht ausgeschöpft werden. Unterschieden werden die folgenden Arten von Rebound-Effekten:

  • Direkte Rebound-Effekte: Nach einer Effizienzsteigerung kann eine Mehrnachfrage nach dem effizienteren Produkt bzw. der effizienteren Dienstleistung auftreten.
  • Indirekte Rebound-Effekte: Nach einer Effizienzverbesserung kann der Energie-verbrauch in Form von erhöhter Nachfrage nach anderen Produkten oder Dienstleistungen steigen, z.B. weil durch das effizientere Produkt finanzielle Mittel und somit Kaufkraft freigesetzt werden.
  • Gesamtwirtschaftliche Rebound-Effekte: Aufgrund veränderter Nachfrage-, Produktions- und Verteilungsstrukturen infolge technologischer Effizienzverbesserungen kann eine vermehrte gesamtwirtschaftliche Nachfrage nach Energie entstehen.

Empirische Befunde deuten darauf hin, dass das Ausmaß von Rebound-Effekten je nach Handlungsbereich und Gestaltung der Effizienzmaßnahme stark variiert. Das Umweltbundesamt hat aktuell hierfür Studien auswerten lassen. Für verschiedene Energiedienstleistungen werden direkte konsumentenseitige Rebound-Effekte in der Größenordnungen von 20 bis 30 Prozent ermittelt – d.h. die möglichen Einsparungen fallen um 20 bis 30 Prozent geringer aus. Hinzu kommen indirekte konsumentenseitige Rebound-Effekte, die sich auf durchschnittlich 5 bis 15 Prozent belaufen.

Energieeffizienzpolitische Instrumente sind in unterschiedlichem Maße sensibel für Rebound-Effekte. Gleichzeitig existieren flankierende Ansätze, die die Ausschöpfung von Potenzialen zur absoluten Minderung des Energieverbrauchs auch angesichts von Rebound-Effekten ermöglichen. Hierzu zählen etwa verbrauchsspezifische Steuern und Abgaben und mengensteuernde Systeme handelbarer Zertifikate.


Niedrigpreisumfeld

Grundsätzlich zu beachtende Hemmnisse auf dem Weg zu einem geringeren Energieverbrauch wie der Rebound-Effekt werden aktuell verschärft durch die ausgeprägten Preisrückgänge an wichtigen Energiemärkten: Der Ölpreis etwa ist im Frühjahr 2016 phasenweise auf unter 30 US-Dollar pro Fass gesunken, und liegt auch aktuell mit 50 US-Dollar je Fass auf einem im langfristigen Vergleich niedrigen Niveau. Mit dem Rückgang der Energiepreise verringern sich die wirtschaftlichen Anreize zur Durchführung von Energieeffizienzmaßnahmen

 

Zwar ist nicht klar, welche Preisentwicklungen kurz-, mittel-, und langfristig zu erwarten sind. Zweifelsohne ist aber festzustellen: Eine konsequente globale Klimaschutzpolitik auf Basis der Vereinbarung von Paris kann dazu beitragen, die Nachfrage nach fossilen Energieträgern dauerhaft zu verringern, und so die Preise fossiler Brennstoffe zu dämpfen.

 

Darüber hinaus gilt, dass auch bereits ein kurzfristiger Preisverfall langfristige Folgen für den Energieverbrauch haben kann, wenn das geringe Preisniveau zu Investitionen in langlebige Güter und Technologien führt, die weniger effizient sind (sogenannte Lock-in-Effekte). Vor dem Hintergrund des aktuellen Preisumfelds und auch gerade angesichts von Preisunsicherheiten und -volatilitäten sollte das Instrumentarium der Energieeffizienzpolitik daher stärker mit Preisentwicklungen „atmen“ können und darüber hinaus hinreichend Elemente beinhalten, die unabhängig vom Preisniveau wirken.


Anreizeffekte niedriger Energiepreise – Beispiel Heizkesseltausch

Familie A. lebt in einem typischen Einfamilienhaus auf 150 m² Wohnfläche, das mit einem alten und überdimensionierten Heizölkessel beheizt wird. Pro Jahr verbraucht Familie A. durchschnittlich etwa 2.600 Liter Heizöl. Aufgrund der starken Schwankungen des Heizölpreises haben sie hierfür in den letzten 15 Jahren zwischen 1.250 Euro und 2.500 Euro pro Jahr gezahlt. Die alte Heizungspumpe verbraucht jährlich etwa 400 kWh Strom und belastet die Haushaltskasse zusätzlich mit knapp 120 Euro jährlich.

Ein neuer Pelletkessel mit optimaler Heizleistung hat einen auf den Heizwert bezogenen Jahresnutzungsgrad von über 85 %. Zusätzlich wird das Heizungssystem hydraulisch abgeglichen und eine neue Heizungspumpe eingesetzt. Dieses Maßnahmenpaket spart jährlich Betriebs- und Brennstoffkosten von rund 400 bis 1.000 Euro ein. Darüber hinaus senken der hydraulische Abgleich und die neue Pumpe den Stromverbrauch um 300 kWh bzw. die Kosten um weitere knapp 90 Euro pro Jahr. Der neue Pelletkessel wird durch das Marktanreizprogramm Erneuerbare Energien und das Anreizprogramm Energieeffizienz mit 4.200 Euro gefördert. Die Gesamtinvestition liegt bei 18.900 Euro, abzüglich der staatlichen Förderung von 4.200 Euro sind noch 14.700 Euro von Familie A. zu finanzieren.

Die Einsparungen setzen einen wichtigen Anreiz in der Investitionsentscheidung der Familie A., den Heizungstausch zu finanzieren. Bei hohen Brennstoffpreisen für Heizöl und Pellets wird die gesamte Investition bereits nach 13 Jahren vollständig aus den Einsparungen refinanziert. Sinken die Brennstoffpreise hingegen dauerhaft auf das aktuelle Niveau, so vergehen bis zur vollständigen Refinanzierung 28 Jahre. Damit gemeint ist eine Refinanzierung der gesamten Investitionskosten durch die im Zuge der genannten Maßnahmen gesunkenen Betriebs- und Brennstoffkosten. Tatsächlich müsste die alte Ölheizung langfristig ohnehin ersetzt werden. Die Refinanzierung allein der Mehrkosten für einen Pelletkessel gegenüber einer konventionellen Ölheizung ist deutlich schneller möglich.


Förderung bereits stark ausgebaut
Durch Fördermaßnahmen kann ein wirksamer Anreiz für mehr Energieeffizienz gesetzt werden. Förderung unterstützt private und gewerbliche Investoren bei der Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen. Mit Förderanreizen können Investoren motiviert werden, besonders effiziente oder innovative Technologien zu nutzen, womit die Markteinführung und Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit dieser Technologien vorbereitet wird. Ein gutes Beispiel ist etwa das CO2-Gebäudesanierungsprogramm, mit dem bereits heute die Einführung von z.B. Niedrigstenergiegebäuden gemäß EU-Gebäude-Richtlinie durch die Bundesregierung vorbereitet wird. Ähnlich treibt das Marktanreizprogramm zur Förderung von Maßnahmen zur Nutzung erneuerbarer Energien im Wärmemarkt durch seine Anforderungen die Nutzung und Entwicklung von Wärmetechnologien der erneuerbaren Energien voran. Die Förderpolitik wurde, nicht zuletzt mit dem NAPE, in den vergangenen Jahren deutlich gestärkt. Mittlerweile bestehen Förderangebote von Bund und Ländern für fast alle relevanten Akteure und Sektoren.

 


Die Wirkungen von Förderprogrammen sind aber nicht beliebig skalierbar – nicht allein aufgrund der Begrenztheit der Haushaltsmittel, die für diesen Zweck eingesetzt werden können. Im gewerblichen Bereich sind die Förderanreize (Fördersätze bzw. Förderintensitäten) zudem aufgrund beihilferechtlicher Rahmenbedingungen der EU auf ein bestimmtes Niveau beschränkt. Auch Förderprogramme für Effizienzmaßnahmen in privaten Haushalten unterliegen haushaltsrechtlichen Einschränkungen, z.B. hinsichtlich der Einbeziehung von Energieeffizienzdienstleistern. Dieser Rahmen eignet sich insbesondere dazu, zusätzliche Effizienzpotenziale dort zu erschließen, wo Ersatz- und Modernisierungsmaßnahmen durchgeführt werden. Effizienzinvestitionen, die außerhalb der regulären Ersatz- oder Modernisierungszyklen anfallen, werden derzeit dagegen mit Fördermaßnahmen allein weniger effektiv angereizt. Die seit vielen Jahren relativ konstante Sanierungsrate im Gebäudebestand ist hierfür ein Beispiel.

 

Eine deutliche Steigerung der Nachfrage nach Effizienzmaßnahmen durch mehr Förderung würde eine weit höhere Förderintensität voraussetzen. Diese Politik wäre kaum bezahlbar, außerdem darf die Nutzung von Effizienzpotenzialen nicht allein vom Angebot öffentlicher Förderprogramme abhängig gemacht werden.

 

In der Gesamtschau ergibt sich somit ein deutlicher Weiterentwicklungsbedarf für die Energieeffizienzpolitik.

Leitfragen:

  1. Welche Maßnahmen sind in Ergänzung zum derzeitigen Instrumentarium der Energieeffizienzpolitik zur Zielerreichung (Halbierung des Primärenergieverbrauchs bis 2050) angemessen und sinnvoll?
  2. Welche Instrumente eignen sich vorzugsweise zur Steigerung der Energieeffizienz in einem Umfeld niedriger Energiepreise? 

Weiterentwicklung der Energieeffizienzpolitik: Instrumentenkategorien
Vereinfacht lassen sich – kombinierbare – Optionen für eine Weiterentwicklung in Form verschiedener Instrumentenansätze darstellen, die auf den bisherigen Instrumentenmix aufbauen, jedoch durch neue Maßnahmen ergänzt und weiterentwickelt werden.


Mengensteuerung
Für den Bereich der standardisierbaren Technologien – bei dem die Transaktionskosten eher niedrig ausfallen – kann als exemplarisches Leitinstrument die Einführung eines Systems von handelbaren Energiesparquoten (Weiße-Zertifikate-Modell) stehen. Letzteres könnte zielgenau auf den Endenergieverbrauch bezogen werden, der derzeit nicht vom Emissionshandel erfasst wird. Alternativ könnte auf Ebene des In-Verkehr-Bringens von Energieträgern (sog. Upstream-Ansatz) ein Einsparmodell, z.B. bezogen auf den Primärenergieeinsatz, eingeführt werden. Bei beiden Instrumenten werden die Energieeinsparwirkungen durch Rebound-Effekte oder das derzeitige Niedrigpreisumfeld grundsätzlich nicht beeinträchtigt. Zudem sind beide Ansätze marktkonform und führen zu einer kosteneffizienten Lösung, da die Entscheidung über die Durchführung einzelner Einsparmaßnahmen den Marktteilnehmern überlassen bleibt. 


Ordnungsrecht

Im Gebäudebereich wäre eine Weiterentwicklung des Ordnungsrechts für den Bestand denkbar. Mindeststandards könnten auch dazu beitragen, einen ggf. drohenden Lock-in-Effekt z.B. beim Einbau von langlebigen, vergleichsweise ineffizienten Technologien zu vermeiden. Auch im Verkehrssektor können z.B. durch die geplante verpflichtende Berechnung und Ausweisung des spezifischen Kraftstoffverbrauchs schwerer Nutzfahrzeuge auf der Grundlage zertifizierter Messwerte relevanter Komponenten weitere Einsparungen erzielt werden. Auf europäischer Ebene wird zudem diskutiert, mit welchen Maßnahmen eine Dekarbonisierung im Verkehrssektor bewirkt werden kann. Hierzu hat die EU-Kommission angekündigt, auch die Einführung von Effizienzstandards für Motoren für schwere Nutzfahrzeuge zu prüfen. Eine wichtige flankierende Funktion hat die Stärkung des Vollzugs des bisherigen Ordnungsrechtes, das vor allem durch das Energieeinsparrecht bei Gebäuden, die EU-Ökodesign- und Labelling-Richtlinien geprägt wird.


Preissteuerung
Preissteuernde Instrumente sind grundsätzlich marktkonform, gewährleisten Kosteneffizienz und entsprechen dem Verursacherprinzip. Sie haben zudem den Vorteil, dass der Anreiz zur Senkung des Energieverbrauchs mit jeder verbrauchten Energieeinheit gleich hoch bleibt. Mechanismen für die Anpassung an Schwankungen der Rohstoffpreise für Energieträger wären denkbar, etwa durch einen Indexierung von Steuersätzen. Dabei sind jedoch auch Auswirkungen auf das Steueraufkommen zu berücksichtigen. Resultierende Steuereinnahmen sollten zur Unterstützung von Maßnahmen zur Umsetzung der Energiewende, insb. im Bereich Energieeffizienz, eingesetzt werden. Als übergeordnetes, in allen Sektoren wirkendes Instrument der Preissteuerung sind sowohl eine Anpassung der bisherigen Energie- und Stromsteuer, die Einführung einer (ggf. europaweit erhobenen) CO2-Steuer oder auch Bonus-Malus-Systeme denkbar.


These 5: Marktlösungen und neue Dienstleistungen werden die Steigerung der Energieeffizienz beschleunigen und einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der Energiewende leisten.
Mit Energieeffizienzmaßnahmen verbundene Investitionen setzen typischerweise Fachwissen und Erfahrungswerte voraus. Deswegen ist ein dynamischer Markt für professionelle Energieeffizienzdienstleistungen wichtige Voraussetzung für eine nachhaltige Steigerung der Energieeffizienz. Mit dem Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz hat die Bundesregierung Impulse für die Weiterentwicklung des Marktes für Energieeffizienzdienstleistungen gesetzt: so sind zum Jahresbeginn 2016 der Bürgschaftsrahmen und somit die Finanzierungsbedingungen für Contracting-Dienstleistungen verbessert worden.


Der Markt für Energieeffizienzdienstleistungen


Der Markt für Energiedienstleistungen umfasst die vier Produktgruppen Information, Beratung, Energiemanagement und Contracting. Im Wohngebäudebereich bestehen Angebote sowohl für Eigentümer als für Mieter. Auch für Unternehmen aller Größenklassen existieren zahlreiche Angebote, so etwa zur energetischen Optimierung von Produktionsanlagen. Rund 19 % der Eigentümer von Wohnraum und mindestens 23 % der KMU haben aktuell bereits eine hochwertige Energieberatung mit einer Vor-Ort-Analyse durch einen Berater in Anspruch genommen.

Energiemanagementsysteme sind insbesondere in Unternehmen verbreitet, die von einer Befreiung von energiebezogenen Steuern oder Umlagen profitieren. Immerhin 12 % der Unternehmen mit 50 bis 249 Mitarbeitern verfügen inzwischen über ein zertifiziertes Energiemanagementsystem. Viele Unternehmen setzen darüber hinaus Energiecontrolling-Lösungen ein.

Im Bereich des Energieeinspar-Contractings ist die Bereitschaft von Immobilien- und Anlagenbesitzern, ihre Vermögensgegenstände an langfristige Verträge zu binden, nach wie vor begrenzt. Nur 1,6 % aller KMU haben bisher ein umfassendes Energieeinspar-Contracting in Anspruch genommen. Stattdessen dominieren weiterhin die Angebote zum Energieliefer-Contracting.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass der Markt für effizienzsteigernde Energiedienstleistungen in Deutschland sowohl in der Breite als auch der Tiefe der Angebote grundsätzlich etabliert ist. Um sämtliche Marktpotenziale zu Nutzen, muss der Rahmen für den Markt für Energieeffizienzdienstleistungen jedoch weiterentwickelt werden.

Dessen ungeachtet verbleiben strukturelle Hemmnisse, deren Abbau einen wichtigen Beitrag zur Entfaltung des Markts für Energieeffizienzdienstleistungen leisten kann. Hierbei sind jedoch unterschiedliche Interessen zu beachten, so z.B. hinsichtlich der Finanzierung von Effizienzinvestitionen und der Möglichkeit, die Gewinne der Effizienzinvestitionen zu nutzen. Der bestehende rechtliche Rahmen löst dieses sogenannte Investor-Nutzer-Dilemma häufig nicht auf: Bei manchen Maßnahmen obliegt die Entscheidung zu einer Investition in Energieeffizienz steigernde Maßnahmen den Eigentümern, die hierzu jedoch über unzureichende Anreize verfügen, da Energiekosten vom Nutzer zu tragen sind.

 

Mit Blick auf die konkrete Ausgestaltung der Rahmenbedingungen des Energiedienstleistungsmarktes gilt: Die Identifikation geeigneter und insbesondere innovativer Technologien und das Abwägen zwischen technologischen Alternativen – wo vorhanden – ist in erster Linie Aufgabe der Marktakteure. Finanziell tragfähig sind technologische Lösungen langfristig nur, wenn eine entsprechende gewinn- und nutzenmotivierte Nachfrage für sie besteht. Deswegen sollte die Energieeffizienzpolitik künftig noch stärker technologieoffen ausgestaltet werden. In der Ausgestaltung könnten etwa wettbewerbliche Ausschreibungsmodelle stärker zum Einsatz kommen.

Darüber hinaus halten wir es auch für erforderlich zu überprüfen, wie und in welchen Bereichen eine Standardisierung auf nationaler, aber auch auf europäischer Ebene als Voraussetzung eines grenzüberschreitenden Binnenmarkts für Energieeffizienzdienstleistungen erfolgen sollte. Eine gestiegene Markttransparenz und standardisierte Geschäftsmodelle (z.B. für Bilanzierung, Messung von Energieeinsparungen, Kostenverteilung) könnten zu einer Senkung von Transaktionskosten und Risiken, und somit zu einer leichteren Finanzierung von Investitionen in Energieeffizienz beitragen.

 

Leitfragen:

  1. Welche Instrumente sind besonders geeignet, um Energiedienstleistungen zur Steigerung der Energieeffizienz anzureizen?
  2. In welchen Bereichen ist eine Standardisierung vorteilhaft oder erforderlich, um den Markt für Energieeffizienzdienstleistungen zu entwickeln? 

Kommentare zu „4.2 Weiterentwicklung des Instrumentariums der Energieeffizienzpolitik”

    • 1.
    • von Christoph von SteinUnternehmen
    • 14.08.2016 13:25

    Dieser Kommentar wurde durch den Nutzer gelöscht.

    • 2.
    • von Christoph von SteinUnternehmen
    • 14.08.2016 15:07

    Da ist noch viel Luft

    Von der wirtschaftlich-technischen Grenze, ab der Dämmungen unwirtschaftlich werden und die Amortisationsdauern deutlich ansteigen, sind wir im Gebäudebestand noch weit entfernt. Oberste Geschoßdecken und Kellerdecken sowie Schräg- und Flachdächer mit Holztragwerk sind die Bauteile, bei denen mit dem geringsten Aufwand die meiste Energie [...] Mehr

    • 3.
    • von ohne Name 226
    • 15.08.2016 19:59

    Preissteuerung

    Ulrich Simanski, Hildesheim, 15.08.2016: Wenn Kraftstoffe verteuert werden, trifft das v.a. die kleinen Leute, dh. die Gruppe der Gering- und der Kleinverdiener. Nur bei dieser Gruppe kann man den Spritverbrauch über den Preis steuern. Nur diese Leute werden auf ihr Fahrzeug verzichten. Und die Leute mit etwas dickerem Portemonnaie haben dann in [...] Mehr

    • 4.
    • von ohne Name 259
    • 16.08.2016 16:46

    Förderhöhe am Maß der CO2-Reduktion bemessen

    An Förderprogrammen mit Bezug zur Energieeffizienz für Kommunen, Privatpersonen und Unternehmen mangelt es nicht. Wo jedoch Optimierungsbedarf besteht, ist die Ausgestaltung hin zu technologieoffenen Förderungen. So bringt es wenig, wenn Energieberater durch's Land ziehen und jedem Häuslebauer/ Sanierungswilligen bspw. Luft-Wärmepumpen andrehen [...] Mehr

    • 5.
    • von ohne Name 269
    • 17.08.2016 10:49

    Mir fällt da "nix mehr zu ein": SPD,bitte streicht doch das S aus dem Namen

    Mir fällt da "nix mehr zu ein": Wie kann ein Wirtschaftsminister sich so in den Dienst der Planwirtschaft stellen. Eure Energiewende wird ja ohnehin auf dem Buckel der kleinen Leute ausgetragen! Strompreis seit 1999 mehr als verdreifacht ? SPD - macht weiter so und bitte, bitte streicht doch das S aus dem Namen SPD, PD reicht doch ! Es güßt ein [...] Mehr

    • 6.
    • von ohne Name 208
    • 17.08.2016 14:21

    Energieeffizienz vs. CO2-Einsparung

    Ich muss meinem Vorredner widersprechen. Dieses Grünbuch behandelt die Energieeffizienz, d.h. die CO2-Einsparung ist zwar ein gewünschter Nebeneffekt, sollte aber nicht das primäre Optimierungsziel sein. Bei den Instrumentarien der Energieeffizienzpolitik muss auf die Energieeffizienz geachtet werden, d.h. auf die Primärenergieeinsparung oder den [...] Mehr

    • 7.
    • von ohne Name 208
    • 17.08.2016 14:50

    Rebound-Effekte

    Mit der Energieeffizienzsteigerung wird die Nutzung eines effizienten Prozesses günstiger, d.h. er wird häufiger nachgefragt. Eine Besteuerung kann dem entgegenwirken, sie kompensiert die niedrigeren variablen Kosten und hält auch stete Anstrengungen zur Verbesserung der Energieeffizienz aufrecht. Ein Beispiel mag der durchschnittliche Verbrauch [...] Mehr

    • 8.
    • von ohne Name 282
    • 18.08.2016 13:24

    Dieser Kommentar wurde als anstößig gemeldet und wird geprüft.

    • 9.
    • von ohne Name 291Unternehmen
    • 19.08.2016 11:33

    Skandal der BAFA Förderpolitik

    Bereits 2004 haben Jagnow/Wolff der renomierten HS Braunschweig,/Wolfenbüttel, fachlich begründet, eine Korrektur angemahnt. Nach 12 Jahren ist hiervon jedoch kaum etwas zu bemerken. Auch die gegenwärtige Förderpolitik des BAFA, verschwendet weiterhin wertvolle Steuergelder, ohne das hiervon Endnutzer oder die Gesellschaft insgesamt etwas [...] Mehr

    • 10.
    • von ohne Name 291Unternehmen
    • 19.08.2016 17:24

    Energieeffizienz

    In D existieren ~ 15 Mio EFH/ZFH (2013) mit erschreckend schlechter Energieeffizienz der Anlagentechnik, was sich messtechnisch einfach nachweisen lässt. Jährlich kommen mit stagnierender Tendenz ca. 0,1 Mio Neubauten hinzu., deren anlagentechnische Energieeffizienz ebenso schlecht ist. Ursache: Keine bzw. unzureichende Grundlagenermittlung, [...] Mehr


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