14 Thesen zur Energieeffizienz

Vorgeschichte und Grünbuch Entwurf


Vorgeschichte und Grünbuch Entwurf

Mit der Energiewende hat Deutschland eine umfassende und tiefgreifende Transformation seiner Energieversorgung eingeleitet. Die Energiewende ruht dabei auf den zwei grundsätzlichen Säulen: Ausbau Erneuerbarer Energien und Stärkung der Energieeffizienz. Zunächst lag der Fokus stärker auf dem Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie sowie dem Ausbau neuer Erzeugungskapazitäten auf Basis erneuerbarer Energien und den damit verbundenen Anforderungen für Infrastruktur (Netze, Speicher), Kosten und die konventionelle Stromerzeugung im Mittelpunkt.

In dieser Legislaturperiode hat die Bundesregierung mit dem Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz die Säule Energieeffizienz in der Energiewende gestärkt: die Senkung des Energieverbrauchs durch mehr Energieeffizienz. Es geht darum, die Kosteneffizienz der Energiewende zu erhöhen und die Abhängigkeit von Energieimporten mittel- bis langfristig zu verringern. Zugleich ist die Senkung des Energieverbrauchs eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg der deutschen Energie- und Klimapolitik als Beitrag zur Umsetzung der Ergebnisse der Klima-Vertragsstaatenkonferenz in Paris (COP21). Denn die Beschlüsse von Paris definieren ein Ziel zur Begrenzung des Temperaturanstiegs, aus dem sich ein sehr knappes Budget für die globalen Treibhausgasemissionen ableitet. Zusammen mit den EU-Klimaschutzzielen folgt daraus: Die Emissionen aus der Verbrennung der fossilen Energieträger Öl, Kohle und Gas müssen weitgehend reduziert werden. Der schnellste und direkte Weg zur Erreichung dieses Ziels ist die Senkung unseres Energieverbrauchs durch Investitionen in Effizienztechnologien. Den verbleibenden Energiebedarf decken erneuerbare Energien – direkt in den einzelnen Sektoren oder in Form von erneuerbarem Strom, vor allem aus Wind und Sonne. Zusätzlich müssen wir den Strom-, den Wärme-, den Verkehrs- und den Industriebereich der Zukunft stärker integriert denken – Strom aus Erneuerbaren Energien wird mittel- und langfristig für die weitgehende Dekarbonisierung der anderen Sektoren zunehmend an Bedeutung gewinnen.

 

Wir haben in Deutschland bereits gute Fortschritte bei der Senkung des Energieverbrauchs erzielt, wie z.B. der Vierte Monitoring-Bericht zur Energiewende aufzeigt. Die ambitionierten Ziele des Energiekonzepts geben aber vor: Wir müssen das Tempo steigern und die bestehenden Effizienzpotenziale noch besser nutzen. Deshalb legt das BMWi mit dem „Grünbuch Energieeffizienz“ Thesen, Analysen und Leitfragen zu den zentralen Handlungsfeldern und Herausforderungen für die Stärkung der Energieeffizienz und des Energiesparens vor.

 

Der Dreiklang der Energiewende

Leitlinien für den effizienten Einsatz von Strom: Der Fokus des Grünbuchs Energieeffizienz liegt auf der Frage, wie die Energieeffizienz in allen Sektoren weiter gesteigert werden kann. Parallel dazu startet das BMWi im Rahmen des Prozesses „Strom 2030“ einen Dialog dazu, wie auch in Zukunft eine kostengünstige Versorgung mit Strom (Erzeugung, Nutzung in Wärme, Verkehr und Industrie, Transport durch die Stromnetze) gewährleistet werden kann.

Strom ist ein kostbares und knappes Gut. Bei dem Dreiklang aus Energieeffizienz, direkt genutzten Erneuerbaren Energien und Nutzung von Strom aus Erneuerbaren Energien sind die gesamt- und betriebswirtschaftliche Kosteneffizienz zu berücksichtigen. Für diesen Dreiklang ergeben sich die folgenden Leitlinien.

 

Erstens: In allen Sektoren muss der Energiebedarf deutlich und dauerhaft verringert werden („Efficiency First“). Deutschland hat sich ambitionierte Klimaziele gesetzt. Daraus folgt: Die Nutzung fossiler Energieträger Öl, Kohle und Gas wird so gut wie möglich verringert. Der schnellste und direkte Weg zu diesen Zielen ist es, unseren Energieverbrauch durch Investitionen in Effizienztechnologien zu senken. Den verbleibenden Energiebedarf decken größtenteils Erneuerbare Energien.

 

Zweitens: Direkte Nutzung Erneuerbarer Energie. Technologien wie Solarthermie, Geothermie oder Biomasse nutzen Erneuerbare Energien direkt, ohne Umwandlung in Strom. Solar- und Geothermie werden insbesondere für die Heizung und Klimatisierung von Gebäuden sowie die Bereitstellung von Warmwasser genutzt. Wenn der Einsatz dieser Technologien aus wirtschaftlichen oder anderen Gründen nicht sinnvoll ist, kommt dort EE-Strom zum Einsatz. Biomasse spielt vor allem in der Industrie (zum Beispiel in Produktionsprozessen) und im Verkehr (zum Beispiel im Flugverkehr) eine wichtige Rolle. Für feste Biomasse gilt das auch für den Gebäudebestand. Biomasse ist universell einsetzbar aber knapp. Daher wird sie gezielt dort genutzt, wo Solar- oder Geothermie sowie Wind- und Sonnenstrom nicht sinnvoll einsetzbar sind.

 

Drittens: Erneuerbarer Strom wird für Wärme, Verkehr und Industrie effizient eingesetzt (Sektorkopplung).Den Energiebedarf, der aus volkswirtschaftlichen oder anderen Gründen trotz Effizienzmaßnahmen und der direkten Nutzung erneuerbarer Energien verbleibt, deckt Strom aus Wind und Sonne - vorrangig in Technologien, die mit wenig Strom viele fossile Brennstoffe ersetzen (zum Beispiel in Wärmepumpen und elektrischen Fahrzeugen) oder wandeln ihn in andere Energieträger wie Wasserstoff (Power-to-gas) um.

Konsultationsprozess zum Grünbuch

Mit dem Grünbuch wird ein Konsultationsprozess eingeleitet, an dessen Ende eine mittel- bis langfristig ausgerichtete Strategie zur Senkung des Energieverbrauchs durch effiziente Nutzung von Energie in Deutschland stehen soll. Dazu wollen wir das Grünbuch mit der interessierten Öffentlichkeit in einem Konsultationsprozess diskutieren und gemeinsam an Lösungsansätzen arbeiten. Die im Grünbuch aufgeführten Thesen und Leitfragen dienen dazu, den Dialog auf die aus unserer Sicht wichtigsten Aspekte zu fokussieren. Natürlich sind aber auch zusätzliche Anregungen und Vorschläge willkommen.

Der Konsultationsprozess besteht aus folgenden Elementen:

Darüber hinaus wird das BMWi das vorliegende Grünbuch mit den betroffenen Bundesministerien erörtern, ebenso ist ein enger fachlicher Austausch mit den Bundesländern geplant. Nicht zuletzt ist das BMWi auch an einem Dialog mit den anderen EU-Mitgliedstaaten und der EU-Kommission zur Weiterentwicklung der Energieeffizienz-Politik interessiert.


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